Haus der Bionik

Der Transfer von Bionik und angrenzenden Technologien, wie z. B. der Mechatronik, in kleine und mittlere Unternehmen (KMU) wird mit Hilfe des Projekts intensiviert. Besonders Unternehmen aus dem westlichen Münsterland sollen verstärkt Zugang zur Bionik bekommen, um ihre Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. In der Bionik geht es darum, Funktionsweisen aus der Tier- und Pflanzenwelt zu nutzen. Ein bekanntes Beispiel ist der Lotuseffekt, der Wasser und Schmutz zum Beispiel von Autolack abperlen lässt. Diese Beschaffenheit haben sich Wissenschaftler von Pflanzen abgeschaut.

Die Natur hält noch unendlich viele Anregungen und Antworten bereit, die es zu erforschen und in für den Menschen nutzbare technische Lösungen umzusetzen gilt. Damit ist die Bionik eine Querschnittstechnologie - und eine Disziplin, die für viele Unternehmen noch sehr diffus ist. Mit dem Regionale 2016-Projekt werden sie bei Lösungssuche und Umsetzung umfangreich unterstützt.

Dies soll über Wissensvermittlung, Beratung, die Erarbeitung von Machbarkeitsstudien sowie Forschungs- und Entwicklungsprojekte mit Unternehmen geschehen. So kann nicht nur das vorhandene Knowhow durch die Unternehmen besser genutzt werden. Auch die Studierenden profitieren im Rahmen gemeinsamer, nachfrageorientierter Projekte von frühzeitigen Kontakten zu möglichen Arbeitgebern. Zudem sollen Existenzgründungen unterstützt werden.

Mit dem Westfälischen Institut für Bionik an der Westfälischen Hochschule in Bocholt verfügt die Region bereits über ein Kompetenzzentrum. Der angebotene Bachelor-Studiengang Bionik – einer von deutschlandweit nur zwei reinen Bionik-Vollstudiengängen – erfreut sich einer sehr hohen überregionalen Nachfrage und trägt dazu bei, junge Fachkräfte für die Region zu gewinnen. Die Stiftungsprofessuren werden zum Teil durch Unternehmen finanziert.

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Foto: André Siemes, Regionale 2016 Agentur
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Im Mai 2013 wird die Projektskizze eingereicht. (Foto: Regionale 2016 Agentur)
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Eröffnung des Bionik-Büros und Verleihung des A-Stempels der Regionale 2016 im Juni 2017. (Foto: Vivian Thielemann, Regionale 2016 Agentur)

Dass eine Transferinfrastruktur für die Bionik wirtschaftlich selbsttragend sein muss, war von Beginn an Konsens aller beteiligten Akteure. Zu diesen gehören neben der InnoCent Bocholt GmbH unter anderem auch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Borken (WFG), die Westfälische Hochschule, verschiedene Unternehmen, die Stadt Bocholt und die Fördergesellschaft Westmünsterland der Hochschule Bocholt/Ahaus e.V.

Um die Chancen der Bionik zunächst mithilfe konkreter Anwendungsbeispiele stärker in die Wahrnehmung der regionalen Unternehmen zu bringen, wurde ein Bionik-Absolvent der Westfälischen Hochschule bei der WFG eingestellt. In den durchgeführten Unternehmensberatungen zeigte sich, dass der Weg von der ersten Idee bis zur konkreten Umsetzung sehr zeit- und kostenintensiv ist. Die im September 2016 bewilligte Interreg Va-Förderung für das grenzüberschreitende Projekt „Bionik in KMU“ (BiK) kann hier Unterstützung bieten.

Aus den intensiven Firmenkontakten hat sich bislang herauskristallisiert, dass es einen großen Bedarf an (bionischen) Leichtbaustrukturen gibt, die es ermöglichen, in Fertigung und Betrieb Material und Energie einzusparen. Die Unternehmen setzen zum Teil bereits seit Jahren auf herkömmliche Leichtbaumethoden, die durch bionische Ansätze sinnvoll weiter entwickelt werden können. Daher wurde durch die WFG im Programm ZIM-Kooperationsnetzwerke des Bundeswirtschaftsministeriums ein Förderantrag „Bionische Leichtbaustrukturen für KMU“ gestellt. Das Projekt hat inzwischen seine Arbeit aufgenommen.

Zudem hat das Westfälische Institut für Bionik seine Forschungstätigkeiten deutlich ausgeweitet. Für die Umsetzung von Bionik in Unternehmen wird eine Datenbank aufgebaut, die für die Wirtschaft interessante Vorbilder mit konkreten „Schnittstellen“ für praktische Anwendungen verbindet. Als Anlaufstelle wurde zudem im Juni 2017 im InnoCent Bocholt ein virtuelles Innovationscenter eingerichtet. In einer zweiten Projektstufe soll bei entsprechender Nachfrage ein „reales“ Haus der Bionik gebaut werden. Mit dem entstehenden Gebäude könnte dann aufgezeigt werden, welche Chancen die Bionik auch für material- und ressourcenschonendes Bauen bietet. Das Haus der Bionik wäre damit ein Aushängeschild für das gesamte ZukunftsLAND.

Projektträger

InnoCent Bocholt GmbH

Ansprechpartner

InnoCent Bocholt GmbH
Joachim Schüling
info(at)innocent-bocholt.de