Die Berkel! Leben mit dem Fluss

Der Hochwasserschutz ist ein Zukunftsthema, mit dem sich viele Kommunen im westlichen Münsterland künftig intensiver auseinandersetzen müssen. Dies wurde in Stadtlohn durch die Neufestsetzung der Überschwemmungsgebiete im Jahr 2010 deutlich und auch die Hochwasserereignisse im Sommer 2016 haben die Notwendigkeit eindrucksvoll bestätigt. Stadtlohn ist mit seiner Lage direkt an der Berkel besonders betroffen. Die Stadt hat sich mit ihrem Regionale 2016-Projekt auf den Weg gemacht, einen ganzheitlichen Lösungsansatz zu entwickeln, der Städtebau, Wasser- und Landwirtschaft sowie Natur- und Landschaftsschutz zusammenbringt.

Ziel ist es, den Hochwasserschutz und die Gewässerökologie zu verbessern. Gleichzeitig erhält der Fluss auch einen prominenteren Platz im Stadtbild: Mit den Bausteinen „Berkelmühle“ und „Berkelpromenade“ wird die Innenstadt an Attraktivität gewinnen.

Ausgangspunkt für das Projekt war eine Initiative von Stadtlohner Bürgern im Jahr 2008: Gemeinsam mit dem Stadtmarketing schmiedeten sie Pläne, wie sich Stadtlohn der Berkel wieder stärker zuwenden könnte. Das Ziel: Der Fluss und die nahegelegene Innenstadt sollten miteinander verbunden werden. Viele dieser Ideen bilden das Gerüst für das Regionale 2016-Projekt. Ein weiterer Punkt kam im Jahr 2010 hinzu: Die Bezirksregierung Münster setzte auf Grundlage der europäischen Wasserrahmenrichtlinie, des Wasserhaushaltsgesetzes und des Landeswassergesetzes NRW Überschwemmungsgebiete neu fest – mit erheblichen Auswirkungen für die Innenstadt. Es wurde deutlich, dass größere innerstädtische Baulandflächen von Überschwemmungen bedroht sind.

Gemeinsam mit der Proaqua GmbH und dem Planungsbüro Koenzen wurde ein Hochwasserschutzkonzept erarbeitet, das auch Maßnahmen zur Regenwasserrückhaltung sowie zur ökologischen Aufwertung der Berkel umfasst. Die Ausführungsplanungen können beginnen, sobald der Planfeststellungsbeschluss vorliegt. Darüber hinaus bemüht sich die Stadt, dass Hochwasserschutz künftig stärker als regionale Gemeinschaftsaufgabe wahrgenommen wird. Regelmäßig stimmen sich die Verantwortlichen mit anderen Kommunen, Akteuren und Projektträgern in einer Berkel Arbeitsgemeinschaft ab.

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Vor Umsetzung des Projektes: Die Potenziale der Berkel mitten in der Stadt werden kaum genutzt. (Foto: inceniofilm)
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Neue Promenade an der Nordseite der Berkel. (Visualisierung: Glück Landschaftsarchitekten)
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Spuren der Nutzung: Die Berkelmühle vor dem Umbau. (Foto: André Siemes, Regionale 2016 Agentur)

Die bislang gewerblich genutzte Berkelmühle und ihr Umfeld sollen besser an die Innenstadt angebunden werden. Das geschichtlich und baukulturell wertvolle Gebäude soll dabei neue Funktionen übernehmen: Angedacht sind ein Veranstaltungszentrum, eine Tourismusinformation, Büros für das Stadtmarketing und für den regionalen Arbeitgeberverband sowie Räumlichkeiten für Gastronomie. Zudem sollen Teile des Gebäudes zu einer „Forschermühle“ werden, um Kinder in den MINT-Fächern – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – zu fördern und in Kooperation mit der regionalen Wirtschaft zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses in technischen Berufen beizutragen. Die Stadt hat Grundstück und Immobilie erworben und gemeinsam mit Akteuren aus Wirtschaft, Bildung und Kultur ein Träger- und Nutzungkonzept entwickelt.

Am nördlichen Berkelufer, das der Mühle direkt gegenüber liegt, entsteht eine Promenade. Der Weg wird am Wasser entlang führen, die Ufer werden neu gestaltet. Die Stadt verspricht sich durch diese Maßnahme neue Aufenthaltsqualität für Bürgerinnen und Bürger. Stadtlohn soll als Wohn-, Arbeits- und Lebensstandort gestärkt werden. 2014 wurde für die Berkelpromenade ein städtebaulich-freiraumplanerischer Wettbewerb mit anschließendem VOF-Verfahren durchgeführt und das Büro Glück Landschaftsarchitektur aus Stuttgart mit der weiteren Planung beauftragt. Durch die Verknüpfung dieser unterschiedlichen Maßnahmen hat Stadtlohn ein umfassendes Projekt auf den Weg gebracht. Moderner und attraktiver Städtebau wird zusammen mit intelligentem Hochwasserschutz gedacht. Die Entwicklung des Projekts hat auch durch die intensive Zusammenarbeit mit den weiteren Anrainer-Kommunen entlang der Berkel profitiert.

Projektträger und Ansprechpartner

Stadt Stadtlohn

Ansprechpartner

Stadt Stadtlohn
Mathias Pennekamp
m.pennekamp(at)stadtlohn.de

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Der Entwurf des Büros Glück Landschaftsarchitekten bildet die Grundlage für die Umgestaltung der Berkel in Stadtlohn. (Visualisierung: Glück Landschaftsarchitekten)
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Das Umfeld der Berkelmühle wird im Zuge des Projektes erheblich aufgewertet. (Visualisierung: Glück Landschaftsarchitekten)
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Die Ergebnisse des Wettbewerbs für die Umgestaltung der Berkel in Stadtlohn wurden im Frühjahr 2014 präsentiert. (Foto: André Siemes, Regionale 2016 Agentur)