Bewegtes Land

Das Projekt „Bewegtes Land – Mobilität in die Fläche bringen“ verbessert das Nahverkehrsangebot in der Region. Kernbaustein sind bedarfsgerechte Angebote: Der Bus-Nahverkehr soll sich nicht mehr starr an Linienführungen und Haltestellensystemen orientieren, sondern an den tatsächlichen Bedürfnissen der Nutzer.

Sowohl die Organisation und Finanzierung des Schülerverkehrs als auch die bedarfsgerechte Organisation von Bürgerbusverkehren sind Zukunftsthemen, die nicht nur für die Städte und Gemeinden im westlichen Münsterland, sondern für alle Kommunen in Nordrhein-Westfalen hohe Relevanz haben. Mit dem Projekt Bewegtes Land zeigt die Region, dass mit mutigen Ideen neue Mobilitäts-Angebote abseits des eigenen PKWs auch im ländlich geprägten Raum möglich sind.

Das Bewegte Land hat sich im Laufe der Projektentwicklung zu einem vielfältigen und umfangreichen Mobilitätsprojekt entwickelt. Die erste Idee ging von der Stadt Olfen aus. Im Fokus standen das flexible Bürgerbussystem und der bedarfsorientierte Schülertransport. Beide Ideen wurden in Olfen getestet und in die Praxis überführt. Anders als beim „normalen“ Bürgerbus, der liniengebunden unterwegs ist, werden Fahrgäste des Olfener Bürgerbusses auf Wunsch von zu Hause abgeholt oder nach Hause gebracht. Start- oder Zielpunkt muss eine Haltestelle sein. Fahrtzeiten und Routen richten sich nach dem aktuellen Bedarf. Ein Angebot, das gut ankommt: Nicht nur ein erhöhtes Fahrgastaufkommen, sondern auch schwarze Zahlen kann das neue Konzept vorweisen, das große regionale und überregionale Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Von 2014 bis 2016 wurde deshalb eine Personalstelle gefördert, die beim ZVM (Zweckverband SPNV Münsterland), Fachbereich Bus, angesiedelt war, um das Konzept sowie die individuellen Umsetzungsmöglichkeiten in die Region zu tragen.

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Im Rahmen eines Modellprojektes konnte der Olfener Bürgerbus sein Angebot noch bedarfsgerechter gestalten. (Foto: Stephan Sagurna, LWL-Medienzentrum für Westfalen)
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Juli 2017: Die Schnellbuslinie von Münster nach Lüdinghausen wird über Olfen bis nach Datteln verlängert. (Foto: Alena Tenk, Regionale 2016 Agentur)
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Der Schulbusverkehr wird im Rahmen des Projektes mit digitalen Mitteln optimiert. (Foto: Milena Schlösser, Stadt Olfen)

Seit März 2013 sind am Bewegten Land auch die Städte Selm, Haltern am See und die Gemeinde Nordkirchen beteiligt. Mit dem größeren Projektraum wurde auch die inhaltliche Bandbreite erweitert.

In Nordkirchen wurde mit Hilfe von Workshops und Fachgesprächen die Planung einer Mobilitätszentrale im „Haus Westermann“ vorangetrieben und in ein Konzept gegossen. Im geplanten Neubau sollen die Tourismuszentrale, eine Postagentur und ein Mobilitätspunkt entstehen. Die Realisierung ist für 2018 vorgesehen. Weitere Mobilitätsstationen sind auf langfristige Sicht auch an anderen Projektstandorten angedacht.

Eine bessere Anbindung an das Ruhrgebiet ist ebenfalls Realität geworden. Die bestehende Schnellbuslinie aus Münster endet nicht mehr in Lüdinghausen, sondern führt über Seppenrade und Olfen bis nach Datteln. Die verlängerte Linie wird als Gemeinschaftslinie der Regionalverkehr Münsterland GmbH (RVM) und der Vestischen Straßenbahnen betrieben. Damit einher geht auch ein einfacheres Ticketsystem.

In Haltern wird mit der Gründung eines Bürgerbusvereins künftig die Mobilität innerhalb der Stadt verbessert. Ein neuer Radweg soll zudem die Projekt-Kommunen miteinander verbinden: Ein erster langer Abschnitt zwischen Haltern am See und Olfen wurde eröffnet.

Die Inhalte aus dem Bewegten Land sind in die eigens gegründete AG Mobilität unter der Federführung der Bezirksregierung Münster eingeflossen: Der Arbeitskreis wurde im Nachgang der Münsterlandkonferenz 2013 ins Leben gerufen. Hier werden auf übergeordneter und strategischer Ebene neue Mobilitätsthemen und Ideen für das Münsterland diskutiert. Auf diese Weise werden die Leitgedanken des Bewegten Landes weiter in die Region transferiert.

Das Projekt hat in den vergangenen Jahren viel Bewegung in die Region gebracht und neue Perspektiven aufgezeigt. Der demografische Wandel und insbesondere die angespannte Situation der öffentlichen Haushalte fordern neue Ideen auch für die Verkehrsinfrastruktur. Das Projekt kann dabei helfen, einen Perspektivwechsel in der Verkehrsplanung und Verkehrspolitik einzuleiten: Nicht allein der quantitative und qualitative Ausbau und Erhalt der Verkehrsangebote könnte dann im Vordergrund stehen, sondern bedarfsorientierte und flexible Angebote für Bürgerinnen und Bürger.

Projektträger

Stadt Haltern am See
Gemeinde Nordkirchen
Stadt Olfen
Stadt Selm
Regionalverkehr Münsterland
Kreis Coesfeld

Ansprechpartner

Bürgermeister Olfen
Wilhelm Sendermann
sendermann(at)olfen.de

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Juli 2013: NRW-Verkehrsminister Michael Groschek informiert sich über das Projekt Bewegtes Land. (Foto: Michael Führs, Regionale 2016 Agentur)