HausAufgaben im Münsterland

Die Erfahrungen, die in der ersten Arbeitsphase ab Frühjahr 2012 mit dem Projektaufruf "Innen leben – Neue Qualitäten entwickeln!" gesammelt werdenkonnten, haben gezeigt: Der Schlüssel für die Weiterentwicklung der alternden Wohngebiete ist ist die richtige Ansprache und Einbindung der Bewohnerinnnen und Bewohner – denn ohne sie geht es nicht.

Die Kommune ist in solchen Gebieten, abgesehen vom öffentlichen Raum, in der Regel nicht im Besitz von Flächen. Damit sind die Einflussmöglichkeiten auf die in den gewachsenen Strukturen sehr beschränkten Optionen des Bauplanungs- und -ordnungsrechts begrenzt. Die zentralen Akteure sind die Bewohnerinnen und Bewohner, die in der Regel auch die Eigentümer der Immobilien sind.

Diese Gruppe ist äußerst heterogen: In einem Haus ist zum Beispiel die "Wohnzukunft" der Erbauergeneration schon geklärt, weil das Haus frühzeitig barrierefrei umgebaut wurde, während solche Überlegungen im Nachbarhaus noch gar kein Thema waren. Oder ein älteres Ehepaar möchte das bestehende Wohnhaus erweitern, damit die Erbengeneration mit einziehen kann, während die alleinlebende Nachbarin das zu groß gewordene Haus gerne verkaufen würde, aber keine passende Wohnung in der Nachbarschaft findet. Die Pläne und Motive hinter den Fassaden sind also sehr unterschiedlich und werden in der Regel außerhalb der engen Grenzen der Familie und der direkten Nachbarschaft nicht systematisch thematisiert. Was viele Bewohnerinnen und Bewohner eint, ist der Wunsch, möglichst lange in den eigenen vier Wänden leben und bei einem Umzug zumindest in der gewohnten Nachbarschaft bleiben zu können.

Wenn die individuellen Planungen und der Informationsstand so unterschiedlich sind, muss eine Ansprache durch die Kommune darauf eingehen.

Neue Beteiligungsformate erproben!

Vor diesem Hintergrund hat die Regionale 2016 Agentur in der zweiten Phase des Arbeitsprozesses die Kommunikation mit den Bewohnerinnen und Bewohnern und die Zusammenarbeit auf Augenhöhe in den Fokus gerückt.

Gemeinsam mit einer Arbeitsgemeinschaft aus den Büros IMORDE Projekt- und Kulturberatung und MODULORBEAT aus Münster, die den Prozess maßgeblich gesteuert hat, wurde im Jahr 2015 in Kooperation mit der Stadt Dorsten und der Landesinitiative StadtBauKultur NRW die zweite Phase gestartet: In einem regionalen Werkstattprozesses wurden unter dem Motto "HausAufgaben" die Einfamilienhausgebiete unter dem Blickwinkel der Kommunikation in den Fokus gerückt. Das Ziel war, gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern über den anstehenden Strukturwandel und das Zusammenleben von Morgen zu reden: mit Blick auf ihre Einfamilienhäuser sowie die Nachbarschaften und Quartiere.

Als Einstig startete im Juni 2015 eine zehntägige Auftaktwerkstatt in Dorsten-Barkenberg. Im Sinne eines "Laboratoriums" wurden verschiedene Formate zum Einstieg in das komplexe Thema entwickelt und mit den Bewohnern Barkenbergs erprobt. So gelang es, mit Hauseigentümern, Bewohnern und vielen weiteren Interessierten über die Zukunft ihrer Immobilie und der Einfamilienhausgebiete nins Gespräch kommen wollten. Ein leerstehendes Ladenlokal wurde zum temporären Ort intensiven Austauschs: Mit Workshops und einem begleitenden Rahmenprogramm machte sich die Werkstatt gemeinsam mit Zukunftsdenkern, Planungs-, Gestaltungs- und Finanzspezialisten sowie Studierenden auf die Suche nach Besonderheiten der Wohngebiete und des Ortes. Der positive Blick auf das Quartier, unterschiedliche Entwicklungsszenarien mit Blick in die Zukunft sowie Ideen für neue Gemeinschaften standen dabei genauso im Mittelpunkt wie erfolgreiche Praxisbeispiele und konkrete Anregungen, um Einfamilienhäuser an aktuelle und zukünftige Wohnbedürfnisse anzupassen.

Die Werkstatt wurden in einer umfangreichen Dokumentation, sowie einem Film zusammengefasst.

Es geht weiter!

Die Ergebniss des zehntägigen Laboratoriums "HausAufgaben in Barkenberg" wurden im Anschluss ausgewertet und in mehreren Veranstaltungen und Einzelgesprächen vielen Akteuren vor allem aus den kommunalen Verwaltungen vorgestellt. Das Ziel bestand darin, das gewonnene Wissen weiterzugeben und andere Städte und Gemeinden zur Nachahmung anzuregen.

Mit Erfolg: Bis Ende 2017 haben sich Bocholt, Dorsten, Dülmen, Heek und Vreden auf den Weg gemacht und aufbauend auf den Erfahrungen aus der Auftaktwerkstatt in Barkenberg eigene Prozesse in ausgewählten Wohngebieten in engem Austausch mit den Bewohnerinnen und Bewohnern in Angriff genommen.

Details zum gesamten Arbeitsprozess in der zweiten Phase und aktuelle Informationen zu den Folgeprozessen in den Städten und Gemeinden des westlichen Münsterlandes finden Sie unter www.hausaufgaben.ms.

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HausAufgaben in Barkenberg

Eine umfangreiche Dokumentation stellt die Werkstatt im Juni 2014 in Dorsten Wulfen-Barkenberg im Detail vor.

Zur Dokumentation [PDF]